
Liebe lässt sich nicht befehlen! Liebe ist ein Herzensanliegen - und wo die Liebe warum hinfällt, weiß niemand so ganz genau.
Dennoch heißt es im Wort Gottes unmissverständlich: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben!“ Und es wird noch eines draufgesetzt: „…von GANZEM Herzen, von GANZER Seele und mit ALL deiner KRAFT.“
Ich denke da an Situationen, in denen Menschen von mir Liebe einforderten, die ich überhaupt nicht geben konnte. Nicht, weil ich etwas gegen sie hatte, aber da war kein Gefühl in mir, ich fand auch keinen Grund, warum ich sie lieben sollte. Sie waren auch nicht meine Feinde, dann hätte ich sie ja lieben müssen, weil Jesus das so gesagt hat. Also, wie geht das?
Zuerst streiche ich einmal das Gefühl. Alles, was mit Gefühl zu tun hat, ist eine Liebe, die von Beziehung und Sympathie lebt. Die gibt es, sie ist aber oft sehr kurzlebig. Wahre Liebe lebt nicht vom Gefühl, sondern von einer Entscheidung für einen Menschen. Wo Liebe auf ein Gefühl reduziert wird, hat eine verbindliche Lebensgemeinschaft wie die Ehe kein stabiles Fundament.
Wenn die Liebe jedoch auf einer bewusst getroffenen Entscheidung basiert, sieht das anders aus. Heirate ich meinen Ehepartner, weil ich mich entschieden habe, mein Leben bis zum letzten Atemzug mit ihm zu teilen, bleibt dieser Grund auch dann bestehen, wenn das erste Verliebtsein vorbei ist. Wer so liebt, wird immer wieder Phasen entdecken, wo die Liebe mit viel Gefühl kommt und geht, aber eine Verbundenheit wächst, die tief und tiefer wird. Diese Liebe hat einen starken Grund: Es ist die Entscheidung, nicht das Gefühl (!) zweier unabhängiger Persönlichkeiten für einander.
Das Bibelwort aus 5. Mose 6,5 hängt nicht im luftleeren Raum. Es ist die Zusammenfassung aller Gebote, die das Zusammenleben von Gott und Mensch regeln. Sie beleuchten die menschliche Seite. Für die göttliche Seite war die Entscheidung längst gefallen: Gott hatte sein Volk aus der Sklaverei befreit und in die Freiheit geführt. Er hatte seine Liebe gezeigt. Seine Treue hatte starke Spuren hinter sich hergezogen, weil er trotz häufig lieblosen Handelns seines Volkes seine Zusage nicht zurückgezogen hat. Hätte Gott nur aus Gefühl geliebt, wäre Israel vermutlich in der Wüste verendet, jämmerlich umgekommen.
Nun sind sie durch, am Ziel. Haben Gottes Liebe erlebt und ihm zugesagt, dass sie sein Volk sein WOLLEN. Liebe lebt vom Miteinander. Miteinander ist keine Automatik, sondern immer wieder auch eine bewusste Entscheidung gegen das Vergessen.
Die Juden hatten damals ihre Lektion gelernt, wussten, wie vergesslich sie waren. Darum gab es kein Haus, bei dem nicht außen am Eingang zu lesen war:
Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.
5. Mose 6,4+5
Somit ist das keine zusammenhanglose Aufforderung zu lieben, sondern die Erinnerung an eine Entscheidung, die man getroffen hat. Eine Erinnerung an den einen Gott, der es wert ist, um jeden Preis geliebt zu werden, weil er auch jeden Preis für uns gezahlt hat.
Israel hatte „nur die Befreiung aus der Sklaverei“ erlebt. Wir wissen, wie die Liebe Gottes weiterging und am Ende Jesus das Leben kostete, weil er uns aus Liebe aus der Versklavung der Sünde befreite. Darum sagte Jesus z.B. auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand! (Matthäus 22,37 / NGÜ).
Wie wäre es, wenn du den Bibelvers irgendwohin legst, wo du täglich dran vorbeikommst - als Erinnerung, Gott täglich deine Liebe zu zeigen?
Walter Undt