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Andacht April

Sehen oder glauben?

Das ist hier die Frage! „Ich glaube nur, was ich sehen kann“, lautet ein gern gesagter Satz von Menschen, für die die Bibel nur ein verstaubtes Buch ist. Vielleicht wäre die passende Antwort drauf: „Bitte zeigen Sie mir ihren Verstand, ich will ihn sehen!“.

Paradox? Ironisch? Witzig?

Vielleicht von allem etwas, aber auch mit einem tiefen Schuss Wahrheit darin: Woran erkennt man, dass ein Mensch verständig ist? Indem man hört, wie er redet, sieht, was er tut und wie er lebt. Kein Mensch hat (bislang) fünf Sterne auf der Stirn, an der jeder die Menge des dahinter liegenden Verstandes ablesen kann.

Wer kluge Sprüche klopft und dumme Entscheidungen trifft, zeigt, dass nicht allzu viel Verstand dahinter ist. Wer weise agiert, umsichtig und klug ist, zeigt, dass da viel menschlicher Verstand zum Einsatz gekommen ist.

Nicht anders ist es bei Jesus und seinen Nachfolgern. Natürlich ist Papier geduldig. Es wird viel geschrieben, des Büchermachens ist kein Ende (Prediger 12,12). Was davon ist am Ende tragfähig? Wie oft erlebe ich es, dass Bücher zitiert werden, dass Meinungen anderer ausschlaggebend dafür sind, wie die Bibel zu verstehen ist, ohne dass die Bibel selbst überhaupt gelesen wurde. Es gibt aber nur eine echte Quelle für den Glauben: die Bibel!

War Thomas auch so einer, der sich mehr an Menschen als an Christus orientierte? War er einer, der einfach so mitlief und sich in sein Schicksal ergab? Thomas gilt als das Sinnbild des Zweiflers. Wir lesen auch nicht viel mehr über ihn in den Evangelien, außer Joh 11,16. Da lässt Thomas seinem schicksalhaften Fatalismus freien Lauf. Als Jesus nach Jerusalem gehen will, wo man ihn kurz zuvor umbringen wollte, wird Thomas mit diesen Worten zitiert: "Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben!“

Wie Thomas sonst war, wissen wir nicht. Er kommt nur wenig in der Bibel vor. Doch können wir an ihm sehen, dass Jesus auch auf den ernsthaften Zweifler zugeht, ihn nicht einfach am Rand stehen lässt. Thomas darf die Wunden sehen, die Narben fühlen. Jesus gibt ihm ein Zeichen, das seinen Glauben stärkt. Gleichzeitig macht er aber auch deutlich: Besser hat es der, der glaubt, auch wenn er es nicht sofort sehen und fühlen kann.

Es geht um unser Vertrauen, unseren Glauben an unseren Herrn Jesus Christus! Thomas hatte wie alle Jünger bereits viele und intensive Erfahrungen mit Jesus gemacht. Doch sein Glaube war klein geblieben. Dass Jesus dennoch auf Thomas eingeht, zeigt, wie weit Jesus uns manches Mal entgegenkommt, damit unser Vertrauen ins Rollen kommt. Doch wer erfahren hat, dass Gottes Wort eintrifft, wer gesehen hat, wie Gottes Wort, seine Zusagen sich erfüllen, dessen Glaube wächst und er muss nicht mehr erst sehen, um glauben zu können. Für Jesus ist das der richtige Weg.

Wenn du meinst, dass dein Glaube noch zu klein ist, bitte Jesus um einen größeren. Du kannst wie der Mann aus Markus 9,24 zu Jesus schreien: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Walter Undt